Murió Úrsula Edelmann

Sie ist ein Fräuleinwunder der eigenen Art. Selbstbewusst, neugierig, couragiert. Eine junge Frau, die nach dem Krieg ihr Leben in die Hand nimmt, sich nicht beirren lässt und damit weit kommt. Frankfurt hat viele gute Fotografinnen hervorgebracht und tut es immer noch. Ursula Edelmann ist eine der bedeutendsten. Dabei hatte sie nicht einmal eine Dunkelkammer, als sie sich selbständig machte, sondern nur ein möbliertes Zimmer und eine von der Mutter spendierte Kamera. Aber der Vermieter war nett und überließ ihr im Keller eine Ecke. Später hörte sie in der Dunkelkammer beim Entwickeln ihrer Fotos immer Mozart oder Beethoven, ganze Opern. Nur eines hat sie nie gemacht: Schnappschüsse.

Ursula Edelmann, die 1926 in Berlin geboren wurde, hat sich immer Zeit gelassen für ihre Aufnahmen. Wenn sie beispielsweise Architektur fotografierte, machte sie sich einen Tag zuvor mit den Lichtverhältnissen vertraut und wartete tags darauf so lange, bis sie stimmten. Gleichgültig, ob Passanten darüber lästerten. Die Sonne war ihre beste Freundin. Ursula Edelmann ist berühmt für ihre schwarz-weißen Architekturfotos aus den Frankfurter Aufbaujahren, für ihr Spiel mit Licht und Schatten. Genauso berühmt sind ihre Aufnahmen von Maschinen und Computern im Stil der Neuen Sachlichkeit. Oder von Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen. Auch da wurden Fotos zu Kunstwerken.

Eigentlich wollte sie, in jenen Tagen hieß sie noch Pomplitz, Musik studieren und Pianistin werden. Aber der Vater riet ihr davon ab. Er riet auch von der Fotografie ab, nannte diese elitär. „Das braucht kein Mensch“, sagte er, als sie ihn 1945 das letzte Mal sah. So hat sie es erzählt. Er war es jedoch, der filmte und fotografierte und in der Küche mit der Tochter die Bilder entwickelte. Kein Wunder also, dass sie sich nicht an den Rat des Vaters hielt.

Das Bild der Turnhalle ist ein Meisterwerk

Ihre Lehre hat sie bei Max Baur in Potsdam gemacht, auch ein Meister seines Fachs, vor allem der Architekturfotografie. Sie ist einfach zu ihm hingefahren und hat sich als Auszubildende vorgestellt. Max Baur hat ihr die Bedeutung des Lichtes beigebracht: „Es gibt nur eine Sonne.“ Und nahm die Musikliebhaberin zu Konzerten mit, zu Wilhelm Furtwängler beispielsweise. Nach drei Jahren Ausbildung wollte sie jedoch weg aus Potsdam, wechselte 1949 nach Frankfurt. Rias Berlin hatte ein Stellenangebot eines Frankfurter Fotostudios ausgestrahlt.

Sie hatte zwar einen amerikanischen Interzonenpass, musste gleichwohl auf der Strecke einmal schwarz über die grüne Grenze. Aber auch davor schreckte sie nicht zurück und kam schließlich mit dem Zug in der Stadt am Main an. Damals war sie gerade Anfang zwanzig. Nicht einmal ein Jahr lang blieb sie in dem Fotostudio, fotografierte auf der Messe, schöne Frauen in Pelzen oder Möbel. Ursel Edelmann fand das alles „furchtbar“, machte sich lieber selbständig, fragte bei einer Bank, ob sie die Innenräume ihres Neubaus aufnehmen dürfe. Das war der Anfang ihrer Architekturfotografie in Frankfurt. Die Bank nahm alle Bilder ab, der Architekt bestellte neue, die Baufirmen taten dies auch. Es folgten andere Architekten, andere Firmen, bis sie beim Hochbauamt landete und in dessen Auftrag den Wiederaufbau mit der Kamera dokumentierte und zur Chronistin des neuen Frankfurts wurde.

Jahrzehntelang fotografierte sie all das, was die Bomben übrig gelassen hatten, und das, was in der Stadt neu entstand, selbst eine Turnhalle. Ein kleines Meisterwerk ist dieses Bild. Obwohl menschenleer, spürt man förmlich die Anstrengung der Schüler beim Geräteturnen. Durch die Arbeit lernte sie auch ihren Mann kennen, in den Trümmern des Dominikanerklosters, er war werdender Kunsthistoriker und fotografierte dort die heil gebliebenen Grabsteine. Das verband.

Seit den Sechzigerjahren arbeitete Ursula Edelmann zudem für Frankfurter Museen, etwa für das Städelsche Kunstinstitut oder das Liebieghaus. Das Städel hat Werke von ihr angekauft, das Historische Museum auch. Ursula Edelmann ist Teil von Frankfurt und Frankfurt Teil von ihr. Auch wenn sie viele Aufnahmen von Reisen mitbrachte.

Mit 81 Jahren befand die Grande ­Dame der Sachfotografie, sie habe genug fotografiert, und hörte damit auf. Am 7. Dezember ist die Fotokünstlerin im Alter von 98 Jahren in Hamburg gestorben. Ihr Sohn hatte sie in seine Nähe geholt.

#Murió #Úrsula #Edelmann

You may also like

Leave a Comment